Im Herzen der Gewalt von Édouard Louis

Im Herzen der Gesellschaft

Erst kurz vorm Schluss wird die brutale Tat gezeigt: Ein Mann würgt einen anderen Mann mit einem Schal, fesselt und vergewaltigt ihn dann. Bis der Zuschauer Augenzeuge dieses Verbrechens wird, hat er jedoch bereits knapp zwei Stunden lang verschiedenen Erzählungen der Tat zugehört. Nichtsdestoweniger sind die Minuten, in denen sie dann wirklich auf der Bühne stattfindet, eine Qual. Im Herzen der Gewalt lautet der treffende Titel dieser Bühnenadaption des gleichnamigen autobiografischen Romans von Édouard Louis. Das Stück feierte in einer Inszenierung von Thomas Ostermeier am 3. Juni 2018 seine deutschsprachige Erstaufführung an der Schaubühne Berlin. Weiterlesen

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The Encounter von Complicité/Simon McBurney

Erzähle ihnen, dass wir wirklich existieren.“

The Encounter ist die von Complicité/Simon McBurney inszenierte Begegnung mit dem Stamm der Mayoruna im Amazonasdelta. Die Koproduktion von Complicité mit dem Edinburgh International Festival, dem Barbican London, dem Onassis Cultural Centre Athen, der Schaubühne Berlin, dem Théâtre Vidy Lausanne und dem Warwick Arts Centre feierte am 17. Mai 2018 in der Schaubühne Berlin seine Deutschlandpremiere und verführte das Publikum zu Standing Ovations. Weiterlesen

ZEPPELIN frei nach Texten von Ödön von Horváth

Siehst du den Himmel?

Woran denken Sie beim Wort Zeppelin? – Demnächst werden Sie dabei an Ödön von Horváth denken. Vorausgesetzt, Sie kennen Horváths Texte. Wenn nicht, werden Sie an menschliche Puppen denken, die an einem Zeppelin aus Stahlrohren ein Luftballett im Blauen zu der sphärischen Musik ihres Gefährts aufführen und dabei schimmernde Sätze aneinander fädeln.

Diese Sätze stammen von Horváth. Herbert Fritsch hat sie für seine erste Inszenierung an der Berliner Schaubühne sorgfältig auswählt. Er erzählt mit diesen Sätzen keine Geschichte, sondern deutet hunderte an – und entwirft so eine Anatomie menschlicher Abnormitäten, die sein Ensemble komödiantisch, mimisch und mit vollem Einsatz verkörpert. Weiterlesen

„Peng“ von Marius von Mayenburg

Vom Aufstieg ohne Fall

Mit Peng, der Geschichte vom Aufstieg eines Despoten, ist Marius von Mayenburg an der Schaubühne ein besonderer Erfolg gelungen. Fesselnd führt die Inszenierung uns Dynamiken der Macht in der medialen Gesellschaft vor Augen. Es ist der sagenhaften Ensembleleistung zu verdanken, dass einem bei dieser Geisterbahnfahrt nie das Lachen vergeht. Die Uraufführung fand am 3. Juni statt. Weiterlesen

Fear von Falk Richter

Mein Deutschland

Okay, das reicht jetzt. Hören wir auf!“ sagt Tilman Strauß zu Alina Stiegler. Der Schauspieler streift sich das silbern glitzernde Paillettenkleid von den Schultern und gesteht dem Publikum, man müsse echt aufpassen, wenn man die ganze Zeit dieses braune Zeug nachquatscht. Man komme da schwer wieder raus, weil das wie so ein brauner Schleim an einem klebt. Alina Stiegler nickt. Die beiden schütteln sich. Es schütteln sich auch die übrigen Darsteller im Hintergrund. Vor Ekel. Vor Grausen vielleicht. In Falk Richters am 25. Oktober 2015 an der Schaubühne am Lehniner Platz uraufgeführten Stück Fear nehmen acht Schauspieler und Tänzer die Rolle verschiedener Menschen ein, deren politische Gesinnung als extrem rechts bezeichnet werden kann. Unter ihnen Anhänger von Pegida und Bagida, Demonstranten gegen ein Asyl für Flüchtlinge, gegen die Akzeptanz und Gleichstellung verschiedener sexueller Orientierungen sowie prominente Personen politischer und religiöser Vereinigungen. Weiterlesen

Richard III von William Shakespeare

Zuletzt steht nur noch er selbst sich im Weg

Seit sieben Jahren ist der Name Lars Eidinger untrennbar mit der noch immer heiß begehrten Hamlet-Inszenierung an der Schaubühne am Lehniner Platz verbunden. Seit dem 7. Februar 2015 ist Eidinger nun in der Titelrolle des Shakespeare-Stücks Richard III zu sehen. Regisseur Thomas Ostermeier inszenierte den Aufstieg dieses blutrünstigen Intriganten auf der neu eingerichteten Shakespeare-Bühne, dem Globe. Weiterlesen