Fear von Falk Richter

Mein Deutschland

Okay, das reicht jetzt. Hören wir auf!“ sagt Tilman Strauß zu Alina Stiegler. Der Schauspieler streift sich das silbern glitzernde Paillettenkleid von den Schultern und gesteht dem Publikum, man müsse echt aufpassen, wenn man die ganze Zeit dieses braune Zeug nachquatscht. Man komme da schwer wieder raus, weil das wie so ein brauner Schleim an einem klebt. Alina Stiegler nickt. Die beiden schütteln sich. Es schütteln sich auch die übrigen Darsteller im Hintergrund. Vor Ekel. Vor Grausen vielleicht. In Falk Richters am 25. Oktober 2015 an der Schaubühne am Lehniner Platz uraufgeführten Stück Fear nehmen acht Schauspieler und Tänzer die Rolle verschiedener Menschen ein, deren politische Gesinnung als extrem rechts bezeichnet werden kann. Unter ihnen Anhänger von Pegida und Bagida, Demonstranten gegen ein Asyl für Flüchtlinge, gegen die Akzeptanz und Gleichstellung verschiedener sexueller Orientierungen sowie prominente Personen politischer und religiöser Vereinigungen. Weiterlesen

Richard III von William Shakespeare

Zuletzt steht nur noch er selbst sich im Weg

Seit sieben Jahren ist der Name Lars Eidinger untrennbar mit der noch immer heiß begehrten Hamlet-Inszenierung an der Schaubühne am Lehniner Platz verbunden. Seit dem 7. Februar 2015 ist Eidinger nun in der Titelrolle des Shakespeare-Stücks Richard III zu sehen. Regisseur Thomas Ostermeier inszenierte den Aufstieg dieses blutrünstigen Intriganten auf der neu eingerichteten Shakespeare-Bühne, dem Globe. Weiterlesen

„Das Kalkwerk“ nach dem Roman von Thomas Bernhard

Studie über einen Besessenen

Das Finale ist ein Exzess, aus dem Schauspieler Felix Römer alias Konrad paniert hervorgeht. Trunken wälzte er sich auf dem Boden durch Mehl, Eigelb und Semmelbrösel. Es ist ein Mords-Spektakel, das am Ende dieser Kalkwerk-Inszenierung steht: Protagonist Konrad tötet darin seine Gattin, die sich in weißem Schleppenkleid und Wolken aus Gesichtspuder in vergangene Zeiten zurückträumt. Nach verübtem Mord aber muss Konrad einsehen, dass es eigentlich sein Ego war, welches er hat vernichten wollen.

Philipp Preuss enthüllt in seiner gelungenen Bühnenadaption von Thomas Bernhards Roman Das Kalkwerk das Dilemma Konrads, der an seinem eigenen Anspruch scheitert (Dramaturgie: Maja Zade). Das berührende Ein-Mann-Stück feierte am 15. September in der Schaubühne am Lehniner Platz Premiere. Weiterlesen

Nach uns das Nichts von den Polyrealisten

Die Zukunft? – Schwarze Wolken am Horizont.

Wenn zehn Jugendliche sich heutzutage Gedanken über die Zukunft unseres Planeten und der Weltbevölkerung machen, dann entstehen dabei ziemlich düstere Szenarien. Die Polyrealisten, so nennen sich die sechs Mädchen und vier Jungen, bilden die Jugendtheatergruppe der Schaubühne am Lehniner Platz. Unter theaterpädagogischer Leitung von Aline Bosselmann haben sie sich in den vergangenen sechs Monaten mit dem Thema ‚Dystopie‘ beschäftigt. Ihre Gedanken dazu haben sie in einem Theaterstück mit dem Titel Nach uns das Nichts formuliert. Am 31. Januar 2014 feierte das Stück Premiere. Weiterlesen

Die kleinen Füchse von Lillian Hellman

Füchse sind Raubtiere

Als Lillian Hellmans Theaterstück The Little Foxes (zu Deutsch: Die kleinen Füchse) im Jahr 1939 in einer Bradway-Produktion auf die Bühne kam, hatte dies für die Autorin drastische Folgen. Modellhaft zeigt sie in ihrem Stück den Zerfall einer Gesellschaft, deren höchstes Ziel die Anhäufung von Kapital und Besitz ist. Hellman, die Mitglied der kommunistischen Partei war, musste infolge dieser antikapitalistischen Aussage in den USA zahlreiche Repressalien ertragen.

Heute vermag ein solches Stück unsere Ökonomie-gesteuerten Politiker nicht mehr in Schrecken zu versetzen. Mittlerweile weiß man, dass auch antikapitalistische Haltungen gewinnbringend vermarktet werden können. Wenngleich die gesellschaftliche Brisanz von The Little Foxes in der heutigen Wahrnehmung verblasst, ist dieses Stück der erfolgreichsten US-amerikanischen Dramatikerin des 20. Jahrhunderts von großem Interesse.

In der Schaubühne am Lehniner Platz hatten Die kleinen Füchse am 18. Januar 2014 unter der Regie von Thomas Ostermeier Premiere. Der Regisseur hat den spannenden und hoch unterhaltsamen Plot des Stücks durch eine klare und ästhetisch ansprechende Inszenierung zur vollen Geltung gebracht. Weiterlesen

Viel Lärm um Nichts von William Shakespeare

Wir lieben nicht mehr als normal.

Shakespeares Viel Lärm um Nichts von Marius von Mayenburg an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin inszeniert (Premiere: 31. August 2013), wird glücklicherweise (!) seinem Titel nicht gerecht. Eine leichte, doch keineswegs banale Komödie, die das Publikum – bis auf einige Längen – zu unterhalten versteht. Trashig, bunt und schrill, doch nicht kitschig. Optisch ein gelungener Balanceakt. Weiterlesen

Die bitteren Tränen der Petra von Kant von Rainer Werner Fassbinder

Liebesleid

Im Jahr 1971 uraufgeführt, geht Rainer Werner Fassbinders Theaterstück Die bitteren Tränen der Petra von Kant dem heutigen Zuschauer in seiner Problematik noch (erschreckend) nahe. An der Schaubühne Berlin ist Patrick Wengenroth eine sehr mitreißende und berührende Inszenierung des Dramas gelungen, die am 7. September 2013 Premiere feierte. Weiterlesen