„Rückkehr nach Reims“ nach Didier Eribon

Von Links auf Rechts

Mit Rückkehr nach Reims, einer Art Live-Dokumentarfilm, wagt Thomas Ostermeier an der Schaubühne Berlin einen ästhetisch wie dramaturgisch reizvollen Versuch, der so lange glückt, wie der Regisseur nicht versucht, daraus ein Theaterstück zu machen. Die Premiere fand am 24. September 2017 statt. Weiterlesen

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ZEPPELIN frei nach Texten von Ödön von Horváth

Siehst du den Himmel?

Woran denken Sie beim Wort Zeppelin? – Demnächst werden Sie dabei an Ödön von Horváth denken. Vorausgesetzt, Sie kennen Horváths Texte. Wenn nicht, werden Sie an menschliche Puppen denken, die an einem Zeppelin aus Stahlrohren ein Luftballett im Blauen zu der sphärischen Musik ihres Gefährts aufführen und dabei schimmernde Sätze aneinander fädeln.

Diese Sätze stammen von Horváth. Herbert Fritsch hat sie für seine erste Inszenierung an der Berliner Schaubühne sorgfältig auswählt. Er erzählt mit diesen Sätzen keine Geschichte, sondern deutet hunderte an – und entwirft so eine Anatomie menschlicher Abnormitäten, die sein Ensemble komödiantisch, mimisch und mit vollem Einsatz verkörpert. Weiterlesen

„Peng“ von Marius von Mayenburg

Vom Aufstieg ohne Fall

Mit Peng, der Geschichte vom Aufstieg eines Despoten, ist Marius von Mayenburg an der Schaubühne ein besonderer Erfolg gelungen. Fesselnd führt die Inszenierung uns Dynamiken der Macht in der medialen Gesellschaft vor Augen. Es ist der sagenhaften Ensembleleistung zu verdanken, dass einem bei dieser Geisterbahnfahrt nie das Lachen vergeht. Die Uraufführung fand am 3. Juni statt. Weiterlesen

Fear von Falk Richter

Mein Deutschland

Okay, das reicht jetzt. Hören wir auf!“ sagt Tilman Strauß zu Alina Stiegler. Der Schauspieler streift sich das silbern glitzernde Paillettenkleid von den Schultern und gesteht dem Publikum, man müsse echt aufpassen, wenn man die ganze Zeit dieses braune Zeug nachquatscht. Man komme da schwer wieder raus, weil das wie so ein brauner Schleim an einem klebt. Alina Stiegler nickt. Die beiden schütteln sich. Es schütteln sich auch die übrigen Darsteller im Hintergrund. Vor Ekel. Vor Grausen vielleicht. In Falk Richters am 25. Oktober 2015 an der Schaubühne am Lehniner Platz uraufgeführten Stück Fear nehmen acht Schauspieler und Tänzer die Rolle verschiedener Menschen ein, deren politische Gesinnung als extrem rechts bezeichnet werden kann. Unter ihnen Anhänger von Pegida und Bagida, Demonstranten gegen ein Asyl für Flüchtlinge, gegen die Akzeptanz und Gleichstellung verschiedener sexueller Orientierungen sowie prominente Personen politischer und religiöser Vereinigungen. Weiterlesen

Richard III von William Shakespeare

Zuletzt steht nur noch er selbst sich im Weg

Seit sieben Jahren ist der Name Lars Eidinger untrennbar mit der noch immer heiß begehrten Hamlet-Inszenierung an der Schaubühne am Lehniner Platz verbunden. Seit dem 7. Februar 2015 ist Eidinger nun in der Titelrolle des Shakespeare-Stücks Richard III zu sehen. Regisseur Thomas Ostermeier inszenierte den Aufstieg dieses blutrünstigen Intriganten auf der neu eingerichteten Shakespeare-Bühne, dem Globe. Weiterlesen

„Das Kalkwerk“ nach dem Roman von Thomas Bernhard

Studie über einen Besessenen

Das Finale ist ein Exzess, aus dem Schauspieler Felix Römer alias Konrad paniert hervorgeht. Trunken wälzte er sich auf dem Boden durch Mehl, Eigelb und Semmelbrösel. Es ist ein Mords-Spektakel, das am Ende dieser Kalkwerk-Inszenierung steht: Protagonist Konrad tötet darin seine Gattin, die sich in weißem Schleppenkleid und Wolken aus Gesichtspuder in vergangene Zeiten zurückträumt. Nach verübtem Mord aber muss Konrad einsehen, dass es eigentlich sein Ego war, welches er hat vernichten wollen.

Philipp Preuss enthüllt in seiner gelungenen Bühnenadaption von Thomas Bernhards Roman Das Kalkwerk das Dilemma Konrads, der an seinem eigenen Anspruch scheitert (Dramaturgie: Maja Zade). Das berührende Ein-Mann-Stück feierte am 15. September in der Schaubühne am Lehniner Platz Premiere. Weiterlesen

Nach uns das Nichts von den Polyrealisten

Die Zukunft? – Schwarze Wolken am Horizont.

Wenn zehn Jugendliche sich heutzutage Gedanken über die Zukunft unseres Planeten und der Weltbevölkerung machen, dann entstehen dabei ziemlich düstere Szenarien. Die Polyrealisten, so nennen sich die sechs Mädchen und vier Jungen, bilden die Jugendtheatergruppe der Schaubühne am Lehniner Platz. Unter theaterpädagogischer Leitung von Aline Bosselmann haben sie sich in den vergangenen sechs Monaten mit dem Thema ‚Dystopie‘ beschäftigt. Ihre Gedanken dazu haben sie in einem Theaterstück mit dem Titel Nach uns das Nichts formuliert. Am 31. Januar 2014 feierte das Stück Premiere. Weiterlesen