Bonding – Eine Zwangsgemeinschaft von den Aktionist*innen

Die Macht der Fragen

Bonding – Eine Zwangsgemeinschaft

So der martialisch anmutende Titel einer Stückentwicklung des Jugendtheaterklubs Die Aktionist*innen, die am 28. April am Maxim Gorki Theater Premiere feierte. Die Zwangsgemeinschaft, um die es hier geht, ist die eigene Familie. Doch entgegen der Erwartung einer Abrechnung mit Bevormundung, Abhängigkeit und Vertrauensverlust, klingen darin ganz zärtliche Zwischentöne an. Weiterlesen

Der Kirschgarten von Anton Tschechow

Kirschberg-Kreuzgarten

Seit der Übernahme der Intendanz durch Shermin Langhoff, werden im Maxim-Gorki-Theater bevorzugt Migrations-Themen behandelt. – Man beleuchtet unsere Gesellschaft als eine des “Übergangs“.

Eine andere “Gesellschaft im Übergang“ meinte Anton Tschechow, als er im Jahr 1900 seine Komödie Der Kirschgarten schrieb. Darin geht es um die Familie, der ein Gut, der „Kirschgarten“ gehört. – Nicht irgendein Garten, sondern ein ganz besonders schöner, bezaubernder, berühmter: Er habe sogar eine Eintragung ins Konversationslexikon erfahren. Dieser Kirschgarten nun soll versteigert werden, weil die Gutsbesitzerfamilie ihr Geld auf Reisen und im Rausch verprasst hat. Emporkömmling Lopachin (Taner Şahintürk), Enkel eines ehemaligen Sklaven des Gutes, kauft schließlich den Kirschgarten. Tschechow beschreibt damit metaphorisch das Ende der Feudalgesellschaft und lässt eine Vorahnung auf die Revolution laut werden. Ab sofort soll Reichtum durch Arbeitsleistung und nicht länger durch Herkunft erworben werden.

Am 11.12.2013 hatte am Maxim-Gorki-Theater eine Inszenierung des Kirschgarten Premiere, die mit dem ursprünglichen Stück nicht mehr viel zu tun hat. Weiterlesen

Morning von Simon Stephens

Antrieb

Das “neue“ Maxim Gorki Theater in Berlin scheint wie verwandelt: Im Premieren-Reigen des Novembers steht auch ein Gastspiel des jungen theaters basel auf dem Programm. Morning von Simon Stephens unter der Regie von Sebastian Nübling bildet den Auftakt der geplanten Kooperation zwischen Maxim Gorki Theater und jungem theater basel. Das verjüngte Berliner Publikum zeigte sich am 24. November 2013 zu Recht begeistert. Weiterlesen

Ich nannte ihn Krawatte von Milena Michiko Flašar

Von Zweien, die auszogen, das Menschsein zu lernen

Im Maxim Gorki Theater Berlin ist aktuell das auf der gleichnamigen Erzählung von Milena Michiko Flašar basierende Stück Ich nannte ihn Krawatte zu sehen. Die Premiere fand am 22. Mai 2013 statt. Diese Inszenierung von Jana Milena Polasek ist rundum gelungen und es lohnt sich sehr, eine der wenigen Vorstellungen zu besuchen! Weiterlesen

Macbeth nach William Shakespeare

Macbeth, Heidegger & Co.

Robert Borgmann hat am Maxim Gorki Theater Berlin eine unvergleichliche Macbeth-Inszenierung auf die Bühne gebracht. Die Inszenierung hatte am 8. Februar 2013 Premiere. Unvergleichlich ist sie, weil es bei Borgmann gar nicht um Shakespeares Geschichte von Macbeth geht. Stattdessen hat Borgmann die Tragödie als Muster gesellschaftlicher Prozesse benutzt und über eine höchst metaphorische Umsetzung versucht zu zeigen, dass das Zusammenleben „ohne eine gesellschaftliche Utopie […] nur Barbarei“ ist – so zumindest behauptet es die Ankündigung des Theaters selbst. Weiterlesen

Effi Briest von Theodor Fontane

Keine Angst vor Langeweile!

Foto: Bettina Stöß

Seit dem 14. Januar 2012 ist im Berliner Maxim Gorki Theater eine neue Romanadaption auf der Bühne zu sehen: Regisseurin Jorinde Dröse hat den beliebten Roman Effi Briest von Theodor Fontane inszeniert. Sie erlaubt eine ganz neue und meist nicht unbegründete Sichtweise auf die Protagonisten und rückt Effi noch stärker als die Romanvorlage in den Mittelpunkt. Schauspielerin Anja Schneider wird dieser Konzentration vollauf gerecht und begeistert in ihrer Rolle! Weiterlesen

Penthesilea von Heinrich von Kleist

Halb Furie, halb Grazie

Im Rahmen des Kleist-Festivals war am Maxim Gorki Theater unter anderem die schon seit Oktober 2010 zum Repertoire gehörende Inszenierung Felicitas Bruckers der Penthesilea von Heinrich von Kleist zu sehen. Die Erwartung, eine junge Regisseurin nutze die Chance, mit der Inszenierung der Penthesilea eine moderne und positive weibliche Figur zu schaffen, wurde leider enttäuscht. Dabei drängt sich diese Chance bei dem ursprünglich antiken Stoff geradezu auf. Weiterlesen