„Die Welt in uns“ – eine Stückentwicklung von Turbo Pascal und Berliner Schülern

Weltbürgertum. Ein Spiel

Zu einem Zeitpunkt, an dem nationalistische Strömungen eine erschreckende Kraft und Popularität entwickeln, erinnert das Deutsche Theater Berlin mit der Stückentwicklung Die Welt in uns des Berliner Theater- und Performancekollektivs Turbo Pascal an die nahezu vergessene Weltbürgerbewegung, die 1948 von Garry Davis angestoßen wurde. Die Uraufführung fand am 23. April 2017 statt. Weiterlesen

Katzelmacher von Rainer Werner Fassbinder

Wer zahlt, darf bleiben

Auf den Dächern einer deutschen Provinzstadt ist genug Raum für neun Jugendliche und ihre Alltagsdramen. Sie saufen dort zusammen, streiten sich, teilen ihre Geheimnisse, haben Sex – und öden sich an.

Mit Talent und Hingabe ist es dem Jungen DT unter Regie von Jessica Glause gelungen, diese große Langeweile von Rainer Werner Fassbinders Katzelmacher auf der Bühne des Deutschen Theaters berührend und aufrüttelnd zu gestalten. Premiere war am 6. Februar 2017. Weiterlesen

„BUCH. Berlin (5 ingredientes de la vida)“ von Fritz Kater

Alles ist möglich

»Utopie, Phantasie, Instinkt, Liebe und Tod, Sorge: In BUCH. Berlin skizziert der Gegenwarts- und Erinnerungsautor Fritz Kater fünf mögliche Zutaten des Lebens«, so die Ankündigung des Deutschen Theaters Berlin für die Inszenierung von Tilman Köhler, die am 24. September 2016 Premiere hatte. Hier offenbart sich bereits die größte Schwäche des Stücks: Es handelt von möglichen Zutaten des Lebens. Statt der Offenheit, die der Autor damit suggeriert, verzettelt er sich jedoch in einer Beliebigkeit, die jeden Zusammenhang, jede Aussage verweigert. Tilman Köhler hat diese Unentschiedenheit, dieses Nebeneinander von Möglichkeiten, immerhin unterhaltsam inszeniert, doch zurück bleibt der Eindruck, nahezu drei Stunden lang durch ein Labyrinth von Geschichten geschickt zu werden, an dessen Ausgang lediglich die Erleichterung wartet, dass der Vorhang endlich fällt. Weiterlesen

„Der Mensch erscheint im Holozän“ nach Max Frisch

Im Riss wird plötzlich alles offensichtlich

»Begonnen hat es …«, sagt Ulrich Matthes, und schon fällt der Vorhang wieder. Die neue Spielzeit eröffnet das Deutsche Theater Berlin mit einer poetischen, leisen und doch eindringlichen Inszenierung von Max Frischs Erzählung Der Mensch erscheint im Holozän. Es ist die erste Regiearbeit, die Thom Lutz für das Deutsche Theater realisiert hat und hoffentlich der Anfang einer langen Arbeitsbeziehung. Weiterlesen

Born Digital

Unsere digitale Zukunft zwischen Forschung und Science Fiction
Die jungen Menschen des Jugendclubs Born Digital sind allesamt Digital Natives. Digital Natives, das sind all jene, die in unser digitales Zeitalter hineingeboren wurden und vollkommen selbstverständlich mit dem Internet, Computern und Smartphones aufgewachsen sind. Born Digital widmet sich in dem gleichnamigen Stück, das am 2. Juni 2016 im Deutschen Theater Berlin Premiere feierte, der Frage, die das „digitale Leben“ unsere Identität und unser Dasein verändert. Weiterlesen

„Berlin Alexanderplatz“ nach Alfred Döblin

dreht sich im Kreis

Viel Geduld verlangte Sebastian Hartmann dem Publikum bei der Premiere seiner Inszenierung von Berlin Alexanderplatz am 12. Mai 2016 am Deutschen Theater Berlin ab. Nicht nur die monumentale Länge der Inszenierung von viereinhalb Stunden riss gewaltig am Geduldsfaden, auch szenisch vernachlässigte, als „abstrakt“ getarnte Szenen ließen jede Pause zur Fluchtmöglichkeit werden. Weiterlesen

Evros Walk Water von Daniel Wetzel/Rimini Protokoll

Die Distanz aus der Nähe erleben

Die Forderungen nach einer Beschränkung der Einwanderungszahlen werden immer lauter, werden zuletzt zu Drohungen. Diese Drohungen kommen aus dem Kern Europas, wo die Europäischen Werte vergessen scheinen, denn „alle diese Europäischen Werte, die auch mit der Würde des Menschen zu tun haben, werden an den Außengrenzen Europas ins Gegenteil verkehrt. (…) An der Grenze bis du zum Tode verurteilt“, weiß Daniel Wetzel von Rimini Protokoll. Er hat mit 5 Jungen im Alter von neun bis achtzehn Jahren, die zu Fuß und übers Wasser aus dem Irak, aus Afghanistan und Syrien nach Europa gekommen sind, in einer betreuten WG für Minderjährige in Athen das Stück Evros Walk Water erarbeitet. Uraufgeführt wurde es im Mai 2015 in Werdenberg zur Schlossmediale. Am 27. Januar 2016 war er damit zu Gast im Deutschen Theater Berlin. Weiterlesen