„Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße. Ein Schauspiel in vier Jahreszeiten“ von Peter Handke

Eine ganze Welt erzählen oder Das Prinzip Landstraße

„Kommen lassen erst einmal die Szenerie: Und da kommt sie, da erscheint sie, da fliegt sie mich an, da erstreckt sie sich, die Landstraße, vorderhand leer. Und indem ich mir das laut vorerzähle, ist die Straße auch schon bevölkert mit mir, der ICH am Rand der Straße daherschlendere, mit ausgreifenden, epischen Schritten, vorderhand allein.“ Dem Gestus dieses Ich-Erzählers folgend entrollt sich über die Bühne  eine Straße, geht ein Himmel auf, bricht eine marode Bushaltestelle aus den Bühnenbrettern hervor, wie von Zauberhand. Und doch ist es keine Zauberei, sondern schlicht die Macht des Wortes: Das Erzählte verfestigt sich zur erzählten Wirklichkeit.

Peter Handkes neues Stück Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße. Ein Schauspiel in vier Jahreszeiten (2015) handelt vom Erzählen selbst und es handelt, natürlich, von der Sprache. In einer Koproduktion mit dem Burgtheater Wien ist Claus Peymann eine kongeniale Inszenierung dieses bemerkenswerten Textes gelungen. Die Uraufführung feierte am 1. Mai 2016 im Berliner Ensemble Deutschland-Premiere. Weiterlesen

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Deutschstunde von Siegfried Lenz

Stilistisch einwandfrei“: eine Deutschstunde

Als am 30. Oktober 2015 der Vorhang nach der Premiere der Deutschstunde fällt, hat das Berliner Ensemble mehr als diesen lauwarmen Applaus der eilig zur Garderobe strömenden Zuschauer verdient. Christoph Hein hat den 1968 erschienenen Roman von Siegfried Lenz für die Bühne bearbeitet. Unter der Regie von Philipp Tiedemann verläuft diese Deutschstunde „stilistisch einwandfrei“. Weiterlesen

„Amphitryon“ von Heinrich von Kleist

Ein leichtfüßiger Amphitryon mit Tiefgang

Die marmorne Tempelwand wird plötzlich durchsichtig und vier Musiker treten dahinter in Erscheinung. Charis lauscht verzückt ihren griechischen Melodien und sinkt seufzend nieder: „Radio Theben!“ – Das ist natürlich nicht von Kleist, sondern original von Katharina Thalbach. Ihre amüsante Inszenierung von Kleists Amphitryon feierte am 22. November 2014 im Berliner Ensemble Premiere. Weiterlesen

Woyzeck von Georg Büchner

Es ist Zeit, Marie

Ohrenbetäubend laut schallt die Arie des Figaro aus Rossinis Barbier von Sevilla durch den Saal. Auf der Bühne rasiert Woyzeck (Peter Miklusz) seinen Hauptmann (Boris Jacoby). Dessen Gesicht thront über dem bunt geblümten Friseurumhang wie eine Schaumkrone. Brutal schabt Woyzeck über die Backen des Hauptmanns. Dann – die Geigen fiedeln dem Höhepunkt entgegen – reißt er ihm das Rasiermesser immer wieder über den Leib. Ist es nur ein Traum, in dem Woyzeck seinen Vorgesetzten niedermetzelt? Weiterlesen

Hans im Glück von Bertolt Brecht

Kein Ei, das stinkt

Hans im Glück, ein Stück aus Bertolt Brechts jungen Jahren, wurde in einer Inszenierung von Sebastian Sommer am Berliner Ensemble wiederbelebt. Am 1. März 2014 war Premiere. Während der damals 21-jährige Brecht Hans im Glück für „misslungen, ein Ei, das halb stinkt“, hielt, ist dem Fragment durchaus viel abzugewinnen. Die Inszenierung findet wunderschöne, einfache und wirksame Bilder, die Hans‘ rasante Reise durch das Glück illustrieren. Weiterlesen

Die Rassen von Ferdinand Bruckner

Im Jahr 1933, unmittelbar nach dem Wahlsieg der NSDAP, schrieb Ferdinand Bruckner im Exil sein erstaunlich hellsichtiges Stück Die Rassen über die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die Deutschland damals drohten. Am Berliner Ensemble ist Die Rassen nun in einer Inszenierung von Manfred Karge zu erleben. Noch immer entfaltet das Stück seine erschreckende und mahnende Wirkung, allerdings bleibt es seiner Entstehungszeit verhaftet. Weiterlesen

Peter Pan von James Matthew Barrie

Nimmer nimmer erwachsen werden!

Am 17. April 2013 feierte Peter Pan in der Inszenierung von Wilson am Berliner Ensemble Premiere und schon jetzt zeichnet sich angesichts der Besucherzahlen und einem begeisterten Publikum der Erfolg dieser Inszenierung ab. Zu Recht: Robert Wilson hat mit seiner typisch artifiziellen, effektvollen und illusionistischen Regiearbeit den Kern des Stücks getroffen: die überbordende Kinderfantasie. Weiterlesen