„Yes, we tortured some folks!“ von und mit Halina Martha Jäkel

Rhetorische Widerwärtigkeiten

Auf der Bühne wird Barak Obama von Donald Trump, dem „blondgelockten Fiebertraum“ in goldener Paillettenrobe abgelöst. Sodann verfolgt Trump sein „Projekt rhetorischer Widerwärtigkeit“. Als Gesprächspartner lässt er sich eine kokett-dümmliche Judith Butler und einen bis zur Unverständlichkeit schwafelnden Slavoj Žižek per Facetime zuschalten. Es geht um Folter, Sexismus und Angst.

Im Publikum sitzt der geneigte Wähler und bekommt staunend den Spiegel vorgehalten: Nachdem der Messias salopp zugibt „Stimmt, wir haben ein paar Leute gefoltert, aber darüber wollen wir doch jetzt nicht wirklich sprechen, oder?“, müssen wir einsehen: Wir sind ihm auf den Leim gegangen. Aus Angst – „Stehen Sie endlich zu ihrer Angst!“ – vor einer Zukunft, wie wir sie dann doch nicht zu verhindern wussten: Der Verführer Donald Trump packt die Menschen nicht nur bei ihrer Angst, sondern auch im Schritt, bekanntermaßen … Zuletzt betritt ein namenloser Sozialist die Bühne des Polittalks, aber ihm hat es längst die Sprache verschlagen und er stammelt nur – nicht weniger unverständlich als seine Vorredner, aber mit ebenso großer Geste und Emphase seine Parolen.

Foto: Jan Jäkel

Trailer: https://vimeo.com/277626089

Was haben diese Figuren allesamt gemein? – Sie werden von Halina Martha Jäkel verkörpert. Ihre politisch-musikalisch-performative One-Woman-Show nennt sich „Yes, we tortured some folks!“ und wurde am 7. und 8. Februar im Ballhaus Ost aufgeführt. „Die Künstlerin versteht die gnadenlose Dekonstruktion und Aneignung des populistischen Sprechens mächtiger Männer durch eine Frau als feministischen Akt des Empowerments.“

Durch genaue Beobachtung und präzises Spiel gelingt es Jäkel, die entlarvenden Züge ihrer realen Vorbilder herauszuschälen und dem Gericht des Publikums darzulegen. In Interaktion mit dem Publikum erkundet sie das Phänomen des politischen Sprechens, einer „Inszenierung des Ehrlichen“. Inhaltlich gähnende Leere weist dabei auf die von ihr kritisierte Entwertung des inhaltlichen Arguments durch die politische Rhetorik hin. Für den Zuschauer ist das zuweilen ebenso nervtötend wie dem Geschwafel „echter“ Politiker zu lauschen. Über ein reines Reenactment geht Jäkels weit überspitzte Darstellung allerdings weit hinaus. Die erhellendsten Momente dieser Inszenierung sind ein Entgleisen der starren Politikervisage und der Blick auf Donald Trumps Anrufliste.

Magdalena Sporkmann

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