„Champignol wider Willen“ von Georges Feydeau

Eine windige Nummer

Puppenartige in Brokatkleidern tanzen und singen vor einem Hintergrund im Camouflage-Muster. – Herbert Fritsch hat sich mit der Verwechslungskomödie Champignol wider Willen von Georges Feydeau in der Schaubühne ausgetobt. Die Premiere war am 24. Oktober 2018.

“Saint-Florimond und Angèle, die Gattin des berühmten Malers Champignol, haben eine Affäre – oder vielmehr hätten beinahe eine solche gehabt. Doch Angèle ist der Spielereien mit St. Florimond überdrüssig. Sie will ihn loswerden und das gelänge auch, würde nicht überraschender Verwandtenbesuch St. Florimond zwingen, die Rolle des Ehemannes zu spielen. Auch als Gendarmen auftauchen, um den Maler zu einer Reservistenübung einzuziehen, gibt St. Florimond die Maskerade nicht auf, um den Seitensprung, der nie stattfand, nicht auffliegen zu lassen. Er tritt den Dienst an der Stelle Champignols an. Als kurz darauf der echte Champignol in derselben Kaserne auftaucht, ist die Verwirrung komplett …” (Schaubühne)

Foto: Thomas Aurin

In gewohnter Fritsch-Manier ist alles sehr bunt, sehr schrill und ein großer Klamauk. – Nicht unbedingt ein großer Spaß, sondern nach knapp drei Stunden eher die große Langeweile. Das ohnehin nicht besonders gehaltvolle Boulevardstück Feydeaus läuft sich in Fritschs Inszenierung lahm. Auf jeden Wortverdreher, jeden Witz, jeden Kalauer setzt Fritsch noch etwas drauf. Er trägt gewissermaßen zu dick auf: Der Spaß wirkt angestrengt.

Für sich genommen sind die tänzerische Choreografie, die musikalischen Verballhornungen popmusikalischer Ohrwürmer, die neo-fürstlichen Kostüme und die militärische Puppenstuben-Bühne echte Knaller. Die Darsteller*innen, allen voran Carol Schuler als obszön-quakiges Dienstmädchen und schrulliger Corporal, winden sich meisterlich mit Hirn, Herz und Leib in Fritschs Stil hinein. Allein, zusammen genommen, ist es zu schwer. Das ohnehin windige Konstrukt Feydeaus klappt zusammen. Mindestens eine Kürzung um ein Drittel hätte Fritsch dem Theaterstoff verpassen sollen.

Immerhin: Das eingeschworene Frisch-Publikum kichert und johlt von der ersten Minute an.

Magdalena Sporkmann

Regie und Bühne: Herbert Fritsch
Kostüme: Victoria Behr
Musikalische Leitung: Ingo Günther
Dramaturgie: Bettina Ehrlich
Licht: Erich Schneider

Saint-Florimond: Bastian Reiber
Champignol: Florian Anderer
Angèle, seine Frau: Ursina Lardi
Camel, ihr Onkel: Werner Eng
Mauricette, seine Tochter: Fine Sendel*
Singleton, deren Mann: Damir Avdic
Camaret, Capitaine: Axel Wandtke
Adrienne, seine Tochter: Iris Becher
Célestin, sein Neffe: Bernardo Arias Porras
Charlotte, Dienstmädchen bei Champignol: Carol Schuler
Joseph, Diener bei Champignol / Jérôme, Diener bei Rivolet: Robert Beyer

Fourrageot, Commandant: Stefan Staudinger
Ledoux, Adjudant: Robert Beyer
Belouette, Sergent: Vito Sack*
Grosbon, Caporal: Carol Schuler
Deneuve, Reservist: Bernardo Arias Porras
Delon, Reservist: Nina Bruns*
Prinz von Valance, Reservist: Maximilian Diehle*
Depardieu, Reservist: Robert Knorr*
Schneider, Reservist: Teresa Annina Korfmacher*
Bardot, Reservist: Sarah Schmidt*
Ein Gendarm: Stefan Staudinger

Musiker*innen: Ingo Günther, Taiko Saito, Fabrizio Tentoni

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