Wenn Farah weint

Eine Form finden

Es ist eine Sysiphos-Arbeit: Ankommen, sich etwas aufbauen, das, noch bevor es fertig ist, immer wieder einstürzt. Einen besseren Ort suchen, von Vorn beginnen. – Unermüdlich schichten die Darsteller in Wenn Farah weint Treibhölzer übereinander, bis Gebilde entstehen, die an Häuser – oder vielmehr Behausungen – erinnert. Immer wieder fallen einzelne Hölzchen herab oder stürzt das gesamte Konstrukt ein. Dieses Bild: Vielmehr braucht es nicht, um zu erahnen, wie es Farah ergeht, der jungen syrischen Frau, die einen neuen, eigenen Platz jenseits von familiären, gesellschaftlichen und patriarchalen Zwängen sucht.

Wenn Farah weint erzählt ihre Emanzipationsgeschichte, die auch eine Geschichte von Krieg, Flucht und Exil ist,  vor dem größeren gesellschaftlichen Hintergrund der syrischen Revolution. Die Aufführung der Inszenierung  mit Schauspielern und Schauspielerinnen aus Syrien, dem Irak und Deutschland erfolgt in drei Sprachen: Arabisch, Englisch und Deutsch. Wenn Farah weint war am 24. Und 25. September 2016 in der Schaubude in Berlin zu sehen.

Jeder der Darsteller spricht in seiner Sprache, jeder spricht die gemeinsame Sprache Englisch und die Sprache des anderen, Deutsch. Wenn Farah weint ermöglicht demokratisch dem Publikum in die Erfahrung, nicht immer alles wörtlich zu verstehen, wohl aber einer Geschichte folgen zu können, die singulär ist, und gleichzeitig gerade zu einem Narrativ wird, das sich in unsere Gesellschaft einschreibt, das auch unseres werden wird.

Farah ist voller Energie, voller Träume und Vertrauen. Sie ist fest verwurzelt in ihrer Familie und verspürt zugleich den unstillbaren Drang, aus deren engem Kreis hinaus in die Welt zu treten, um darin einen eigenen Platz zu finden, einen, den niemand für sie vorgesehen oder vorbereitet hat. Sie ist Bildhauerin und wird von ihrer Freundin – einer unkonventionellen, selbständigen und emanzipierten Frau – dazu ermutigt, endlich auch ihr Leben so nach ihren Vorstellungen zu formen, wie sie es mit ihren Skulpturen tut.

Farah beginnt, ihre eigene Geschichte zu schreiben und versucht, diese gegen alle inneren und äußeren Widerstände zu leben. Leise und nachdenklich, dabei aber sehr lebendig und offenherzig lässt sie das Publikum an ihrer Suche nach dem eigenen Leben, der eigenen Zukunft teilhaben.
Magdalena Sporkmann

Spiel: Enana Asr, Bassam Dawood, Yasmeen Ghrawi, André Lewski, Mohammed Nourallah
Regie/Dramaturgie: Stella Cristofolini, Stefan Schroer & das Ensemble
Mitarbeiten: Mudar Al Haggi, André Lewski,
Sarah Zastrau
weitere Aufführungen:
DI 04. Okt. 2016, 19 h – Mülheim a.d.Ruhr – Ringlokschuppen
MI 05. Okt. 2016, 19 h – Oberhausen – Gdanska
FR 07. Okt. 2016, 19 h – Essen – Katakomben-Theater
SA 08. Okt. 2016, 19 h – Bochum – ZEITMAULtheater
SO 09. Okt. 2016, 12 h (!!) – Duisburg – Lokal Harmonie
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s