Viel Lärm um Nichts von William Shakespeare

Wir lieben nicht mehr als normal.

Shakespeares Viel Lärm um Nichts von Marius von Mayenburg an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin inszeniert (Premiere: 31. August 2013), wird glücklicherweise (!) seinem Titel nicht gerecht. Eine leichte, doch keineswegs banale Komödie, die das Publikum – bis auf einige Längen – zu unterhalten versteht. Trashig, bunt und schrill, doch nicht kitschig. Optisch ein gelungener Balanceakt.

Der ritterliche Minnehof in Messina auf Sizilien: Zwei Paare ringen mit den Irrungen der Liebe. Die wortgewandt-witzigen Streithähne Beatrice (Eva Meckbach) und Benedick (Sebastian Schwarz) haben der Liebe abgeschworen. Man macht sich einen Spaß daraus, die beiden trotzdem – oder gerade deshalb – zu verkuppeln, indem man ihnen wechselseitig von der angeblichen Liebe des anderen erzählt. So geschmeichelt verfallen sie einander. Ganz anders ergeht es Hero (Jenny König) und Claudio (Moritz Gottwald). Ihre junge Liebe droht von dem Intriganten Don John (Robert Beyer) zerstört zu werden. Er verleumdet Hero am Tag vor ihrer Hochzeit mit Claudio als ordinäre Dirne. Claudio ist erschüttert und wendet sich von Hero ab. Eine herrliche List aber bezeugt schließlich Heros Unschuld und Reinheit. Im Finale steht eine Doppelhochzeit.

Marius von Mayenburg hat Shakespeares Komödie selbst neu übersetzt und als poppiges, reich ausstaffiertes Stück inszeniert. Die Sprache, die er gefunden hat ist durchaus zeitgenössisch und hat doch den Anklang einer fernen Vergangenheit. Unverwüstlich strahlt der Shakespearsche Witz durch alle Zeilen und das Publikum findet sich in einen ganz elisabethanischen Modus versetzt: Es wird viel gelacht, es gibt Szenenapplaus, die Schauspieler interagieren mit den Zuschauern und man durchschaut ganz ohne Mühe die durchaus verworrenen Handlungen. Die Inszenierung ist Dank origineller Regie-Einfälle, toller Kostüme (Nina Wetzel) und sinnvoller, ästhetisch ansprechender Videos (Sébastien Dupouey) unterhaltsam. Allerdings zeigt sie auch Längen. Die von den Schauspielern performten Songs kommen schlicht zu häufig vor und sind zu lang. Sie strecken die Inszenierung auf unnatürliche Weise, wenngleich die Gesangseinlagen von Sebastian Schwarz durchaus hörenswert und hoch amüsant sind.

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Foto: Arno Declair

Schwarz sticht denn auch schauspielerisch hervor. Man kann sagen, die Rolle des Benedick steht ihm. Er scheint den Witzbold nicht spielen zu müssen. Allerdings: Was wäre Benedick ohne seine Beatrice? Eva Meckbach und Sebastian Schwarz erweisen sich als kongeniales Paar und man wünscht sich, sie sprächen ihre hervorragenden Dialoge ein wenig langsamer, um auch wirklich kein Wort zu verpassen. Energischer, spitzer und lustiger kann man sich ein liebevolles Necken kaum vorstellen. Viel zärtlicher, scheuer und leiser geht es bei Claudio und Hero alias Moritz Gottwald und Jenny König zu. Sie verblassen geradezu hinter dem fetzigen Spötter-Paar. Zwar zeigt Moritz Gottwald durchaus komödiantisches Geschick, doch er wirkt dabei oft mehr lächerlich als lustig.

Die Inszenierung ist als zeitgemäße und Schaubühnen-traditionelle Trash-Ausgabe eines Shakespeare gelungen. Shakespeare sitzt noch im Saal und doch ist die Geschichte ganz gegenwärtig. Die Ankündigung der Dramaturgie, in dieser Inszenierung die Liebe als soziales Konstrukt herauszustellen ist sicher nicht verfehlt, doch ist mindestens bei der Konstellation von Claudio und Hero fraglich, inwieweit die tatsächliche Handlung ein heutiges Publikum von diesem interpretatorischen Ansatz überzeugt. Es geht bei Shakespeare um die Jungfräulichkeit der Braut und die Beschmutzung einer Familienehre. Davon kann heute wohl kaum noch die Rede sein. Vielleicht ist es auch verfehlt mit solch intellektuellen Forderungen an eine Komödie von Shakespeare heranzugehen. Was auf keinen Fall bedeuten soll, dass Shakespeares Komödien platt sind. Sie zeigen Mechanismen, wie die schmeichelhafte und verführerische Wirkung des Wissens darum, geliebt zu werden. Doch insofern regen sie mehr zum Schmunzeln über das immer gleiche, eitle Wesen des Menschen an und sind humoristische Selbstbetrachtung.

 

Magdalena Sporkmann

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